Forum Betriebskosten 1


Aktuelle Diskussion im Forum

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Schwerpunkt Verbrauchsabhängige Betriebskosten
BekoNet 22.04.2017
Frage: Das Management der Betriebskosten hat in den letzten Jahren für die Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Gibt es Bereiche, in denen Sie aktuell besonders hohe Einsparpotenziale sehen?
Thomas Fleck 22.04.2017
Ich persönlich glaube, dass bei der Optimierung von Hausanschlussstationen und deren Überwachung die größten Einsparpotenziale bestehen. Auch das Abfallmanagement, z. B. der Bau von Unterfluranlagen, birgt bei vielen Unternehmen Potenzial. Nicht zu unterschätzen ist aus meiner Sicht die beratende Funktion des Vermieters gegenüber dem Mieter. So kann ich aus Erfahrung sagen, dass mit dem Projekt „EnergieSparWohnen“ beispielsweise beim Wasserverbrauch eine Einsparung von sechs Prozent im gesamten Bestand erzielt werden konnte. Das Projekt beinhaltet u. a. persönliche Energieberatungen mit den Bewohnern zur Reduzierung ihres Strom-, Wasser- und Heizungsverbrauchs, so erhält jeder neue Mieter eine einführende Beratung. Abschließend darf aus meiner Sicht das Insourcing von Messdienstleistungen, vor allem bei näherer Betrachtung der Gewinnmargen der großen Messdienstunternehmen, nicht fehlen.
Ralf Lehmann WEG Beirat Berlin 26.06.2017
In der letzten Hausgeldabrechnung unserer WEG wurden die Kosten der Heizung/ Warmwasser-bereitung wie auch die Kosten für die Be- und Entwässerung in einen veränderten Modus im Vergleich zu den Vorjahren durch den Verwalter ausgefertigt. Bisher erfolgte die Abrechnung der vorgenannten Kostenarten getrennt. Erstmalig wurden die Kosten für beide Kostenarten als eine Summe genannt. Der Verwalter informierte auf Nachfrage, dass im Rahmen des Datenträgeraustauschverfahrens mit der Abrechnungsfirma ista eine getrennte Übermittlung der Kosten aufgrund einer angeblichen Festlegung der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung e.V. ( Mitglieder sind hier nach meiner Erkenntnis die 7 großen bzw. mittleren Abrechnungsunternehmen Techem, ista, Kalorimeta, Brunata Metrona, Minol, EAD und BFW Werner Völk GmbH) nicht mehr möglich bzw. aufgrund geänderten rechtlicher Vorgaben nicht mehr zulässig sei. Das standardisierte Datenträgeraustauschverfahren soll nunmehr nur noch die Übermittlung der Kosten für beide Kostenarten in einer Summe zulassen. insbesondere unsere älteren WEG-Mitglieder haben nunmehr Schwierigkeiten die Abrechnung zu prüfen und nachzuvollziehen.
Frage: Können sie uns hier einen Hinweis geben, ob diese Aussage des Verwalters bzw. des Abrechnungsunternehmens korrekt ist?
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Ralf Lehmann WEG Beirat Berlin 26.06.2017
In der Abrechnung der Kosten für Heizung und Warmwasserbereitung für unsere WEG wird die Voraufteilung der Kosten für den Bereich Heizung und den Bereich Warmwasserbereitung entgegen der gültigen Heizkostenverordnung §7 und §8 nicht mittels Verbräuche der Bereichswärmezähler Heizung und Warmwasserbereitung vorgenommen. Auch die früher zulässige Auftrennung nach Formel wird nicht in der Heizkostenabrechnung verwandt. Hier sei angemerkt, dass unsere WEG im Contracting-Verfahren durch einen großen Contractor versorgt wird. Unser Verwalter hat laut Nachfrage den Contractor aufgefordert hier die MWh-Werte der beiden Bereiche bei der Jahresabrechnung anzuliefern. Der Contractor beruft sich auf die AVB FernwärmeV, nach der eine derartige Darstellung im nicht vergeben sei. Sicherlich ist dem Contractor bekannt, dass auf Seiten der versorgten Nutzer eine Abrechnung auf Basis der Vorgaben der Heizkostenverordnung erfolgen muss. Die Nichtbeachtung der Vorgabe zur Kostenvortrennung mittels Wärmezähler kann für die vermietenden Eigentümer zur Unwirksamkeit und damit zur Inanspruchnahme des 15%-igen Kürzungsrecht entspr. Reglung in § 12 der Heizkostenverordnung durch deren Mieter führen.
Frage: Gibt es hier schon rechtliche Entscheidungen und können wir als WEG unseren Contractor als Vertragspartner auf der Basis getroffener Rechtsentscheide zur Abänderung des Abrechnungsmodus auffordern?
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Schwerpunkt Selbstabrechnung
BekoNet 26.04.2017
Frage: Die hohen Margen der Messdienstunternehmen verleiten schnell zu der Annahme, dass man durch Selbstabrechnung viel Geld sparen kann. Stimmt das ?
Dr. Rolf Weber 29.04.2017
Das ist grundsätzlich möglich, hängt aber stark von der Ausgangssituation ab, und es gibt zwei wesentliche Problemfelder:
1. Die Produktivität / Kosten: Die Personalkosten liegen für ein Wohnungsunternehmen bei ca. 15,00 EUR im Mittel, bei einem großen Meßdienstleister liegen sie um 7,50 EUR.
Gegenmaßnahmen wären sorgfältige Einführung in Projektform mit Schwerpunkt Geschäftsprozesse und das hohe Automatisierungspotential voll auszuschöpfen, eine dafür geeignete Software auswählen
2. Die Gerätepreise: sind im Vergleich zu den großen Messdiensten der größte Wettbewerbsnachteil: sie sind mehr als doppelt so hoch denn es existiert bisher nur geringer Wettbewerb, der Markt wird weitgehend von dem Erfurter Unternehmen Qundis beherrscht.
Gegenmaßnahmen wären regelmäßig Ausschreibung der ganzen oder von großen Teilmenge durchführen (Wettbewerb erzeugen), Markt beobachten, neuen Anbietern eine Chance geben,Geräte unterschiedlicher Hersteller mischen.
Pressemeldung GdW 4.05.2017
Zitat: Es kommt Bewegung in den Markt - GdW zu den Ergebnissen der Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts bei Ablesediensten von Heiz- und Wasserkosten
Katharina Burkardt GdW 4.05.2017
Das Bundeskartellamt hat heute die Ergebnisse der Sektoruntersuchung im Bereich der Erfassung und Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten verkündet. Danach empfiehlt das Kartellamt Maßnahmen zur Belebung des Wettbewerbs bei Ablesediensten. Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW hatte dies seit langem gefordert und betont dabei: "Wir benötigen Partner in der Messdienstleistung, die offen und flexibel agieren. Dabei muss den Kosten auch angemessener Nutzen gegenüber stehen. Messen darf kein Selbstzweck sein."Die Wohnungswirtschaft unterstützt die Forderung des Bundeskartellamtes nach mehr Wettbewerb am Markt. "Wir beobachten aber auch, dass schon in den letzten Monaten - nicht zuletzt vielleicht auch durch die Sektoruntersuchung - deutlich Bewegung in den Markt gekommen ist. Bei teilweise sehr unterschiedlichen Preisabschlüssen waren verstärkt Preisanpassungen nach unten zu beobachten. Dies kommt den Mietern zugute", kommentierte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Das sogenannte „Submetering“ umfasst die Erfassung und Abrechnung des mieterseitigen Verbrauchs von Heizenergie und Wasser in Gebäuden. Meist beinhaltet es zusätzlich die Überlassung der dafür benötigten messtechnischen Ausstattung wie Heizkostenverteiler, Wärme- und Wasserzähler. Die Wohnungswirtschaft im GdW arbeitet intensiv daran, die Betriebskosten zu begrenzen und damit die Wohnkosten zu stabilisieren. Auch der Bereich des Messwesens kann hier Beiträge leisten. Ein funktionierender Wettbewerb hilft dabei und führt zu angepassten Preisen. "Wir wünschen uns eine ausgezeichnete Qualität bei vernünftiger Preisgestaltung. Angesichts sehr unterschiedlicher Erfahrungen mit Messdienstleistungen übernehmen mittlerweile einige Wohnungsunternehmen das Ablesen selbst."

Grundsätzlich zählen Ablesekosten zu den Betriebskosten. Im Rahmen der Betriebskostenverordnung in Verbindung mit der Heizkostenverordnung ist der Vermieter verpflichtet, die entstandenen Wärme- und Wasserkosten auf die Mieter zu verteilen und abzurechnen. Dem Vermieter obliegt es, wie und mit wem er die Erfassung und Verteilung organisiert. Dabei muss das Gebäude als Ganzes und nicht nur der einzelne Verbraucher betrachtet werden. Aussagen, es sei ein Grundproblem, dass die Kosten für das Ablesen in der Regel vom Mieter getragen werden, die Auswahl und die Beauftragung des Ablesedienstes hingegen der Vermieter treffe, sind daher nicht nachvollziehbar. "Es ist nun einmal so, dass der Gesetzgeber den Vermieter zur Abrechnung verpflichtet. Hierfür trägt er die Verantwortung. Im Gegenzug stehen dem Mieter bei fehlerhafter Abrechnung erhebliche Kürzungsrechte zu."

Durch die Digitalisierung werde es noch einiges an Bewegung im Markt geben, so der GdW-Chef. "Es wird sich zeigen, wer es verstanden hat, die wohnungswirtschaftlichen aber auch die mieterseitigen Interessen abzuholen."