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jahrgang_2007_ausgabe_03_artikel_01

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

jahrgang_2007_ausgabe_03_artikel_01 [2017/02/27 22:09] (aktuell)
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 +===Müllprojekt in Neubrandenburg=== 
 +====Erfolgreiches Müllprojekt in Neubrandenburg==== 
 +Mit Besorgnis beobachten sowohl 
 +Mieter als auch Vermieter die Entwicklung 
 +der stetig steigenden Nebenkosten. 
 +Dazu gehören insbesondere 
 +auch die Müllgebühren,​ die 
 +inzwischen zur drittgrößten Position 
 +bei den Betriebskosten geworden 
 +sind. Mit dem Auslaufen der Übergangsregelungen 
 +bei der Deponierung 
 +von Restmüll zum 31.05.2005,​ 
 +drohte auch in Neubrandenburg 
 +(Mecklenburg-Vorpommern) ein weiterer 
 +sprunghafter Preisanstieg bei 
 +dieser Kostenposition. Die für die 
 +Stadt Neubrandenburg zuständige 
 +Entsorgungsgesellschaft OVVD kündigte 
 +deshalb vorsorglich schon im 
 +Frühjahr 2005 an, dass die Kosten 
 +für die bundesweit vorgeschriebene 
 +Müllbehandlung durch die im Juni 
 +2005 in Betrieb gehende Müllbehandlungsanlage 
 +zu einem Kostenanstieg 
 +von 50 Prozent pro Tonne Abfall 
 +führen würde – die Müllgebühren 
 +sollten aber in einem „verträglichen 
 +Rahmen“ gehalten werden. 
 +Die NEUWOBA Neubrandenburger 
 +Wohnungsbaugenossenschaft e. G. 
 +begann deshalb nach neuen Wegen 
 +und Partnern zu suchen, die es ermöglichen 
 +sollten, die Restmüllkosten 
 +ihrer Mieter nachhaltig zu senken. 
 +Der Grundgedanke bestand 
 +darin, den Mietern in erster Linie ein 
 +Müllbewusstsein zu vermitteln. Dabei 
 +geht es ganz einfach um die möglichst 
 +exakte Trennung von Restmüll,​ 
 +Papier, Glas und Verpackungen,​ die 
 +in die gelbe Tonne oder den gelben 
 +Sack gehören sowie natürlich auch 
 +um die finanziellen Konsequenzen 
 +für den einzelnen Mieter. Der Anreiz 
 +für den Einzelnen sollte in einer 
 +verbrauchsabhängigen Müllkostenabrechnung 
 +liegen. Die jahrelangen 
 +Erfahrungen aus verbrauchsabhängigen 
 +Wasser- und Heizkostenabrechnungen 
 +belegen, dass es nach 
 +Einführung solcher Systeme nur 
 +noch kleinerer Anstöße von außen 
 +in der Anfangsphase bedarf, da die 
 +Mieter sehr schnell von selbst das mögliche Einsparpotential erkennen. 
 +Die NEUWOBA entschied sich deshalb 
 +für die imvisio GmbH als Partner 
 +und ihr System der Müllwägung. 
 +Dabei kommt ein normaler Müllgroßbehälter 
 +zum Einsatz, der von einer 
 +Betonumhausung umschlossen ist. 
 +Die Mieter können die Einwurfklappen 
 +nur über einen persönlichen 
 +Transponder öffnen. Das Gewicht 
 +des eingeworfenen Restmülls und 
 +des in Neubrandenburg kostenpflichtigen 
 +Biomülls wird so ermittelt 
 +und die Daten anschließend angezeigt 
 +und gespeichert. Das funktioniert 
 +deshalb, weil der Müllcontainer 
 +selbst auf einer Waage steht, ein 
 +Chip das eingefüllte Gewicht jeder 
 +Schüttung ermittelt und dieses auf 
 +dem individuellen Müllkonto des 
 +Mieters gebucht wird. In der jährlichen 
 +Umlagenabrechnung werden dann sämtliche Einzelschüttungen 
 +des Mieters mit Datum, Uhrzeit und 
 +dem jeweiligen Gewicht einzeln aufgelistet. 
 +Damit wird die Kontrolle und 
 +Nachvollziehbarkeit durch den Mieter 
 +gewährleistet. 
 +Mieter für das Thema sensibilisieren 
 +und aktiv begleiten 
 +Im Vorfeld der Einführung der verbrauchsabhängigen 
 +Abrechnung 
 +musste die NEUWOBA eine Menge 
 +Vorarbeit leisten, damit das neue 
 +System auch tatsächlich von den 
 +Mietern angenommen wird. Sie hat 
 +deshalb sehr früh begonnen, die 
 +Mieter für das Thema zu sensibilisieren 
 +und sie auch während der 
 +Einführungsphase aktiv begleitet. 
 +In diesem Zusammenhang wurden 
 +mehrere Informationsveranstaltungen 
 +durchgeführt,​ auf denen die 
 +Mieter alle sie interessierenden Fragen 
 +stellen konnten. Zentraler Punkt 
 +dabei war natürlich die in Aussicht 
 +gestellte Kostenersparnis und die 
 +Herangehensweise zur Erreichung 
 +der Zielstellung. Als sehr hilfreich bei 
 +der Durchsetzung der konsequenten 
 +Mülltrennung hat sich die Entwicklung 
 +der sogenannten „Küchenkarte“ 
 +erwiesen, die jeder Haushalt erhalten 
 +hat. In Kurzform ist dort aufgelistet,​ 
 +welche Art von Müll wo zu entsorgen 
 +ist. Weiterhin ist mit Unterstützung 
 +der Mieter selbst eine Grafik entwickelt 
 +worden, die die Möglichkeiten 
 +der Kosteneinsparung durch die 
 +Nutzung der verschiedenen Entsorgungssysteme 
 +nach der Mülltren- 
 +Hat der Mieter seine Betriebskostenabrechnung 
 +nicht innerhalb 
 +von zwölf Monaten nach Ende des 
 +Abrechnungszeitraumes erhalten, 
 +muss er keine Nachforderungen 
 +mehr fürchten (Ausschlussfrist gemäß 
 +§556 Abs.3 Satz 3 BGB). Wird 
 +die Abrechnung erst kurz vor Ablauf 
 +der Abrechnungsfrist versandt, behaupten 
 +Mieter deshalb gelegentlich,​ 
 +die Abrechnung erst verspätet 
 +erhalten zu haben. Umstritten ist, 
 +ob der Vermieter den verspäteten 
 +Zugang einer Betriebskostenabrechnung 
 +trotz rechtzeitiger Absendung 
 +vertreten muss und deshalb 
 +mit Nachforderungen ausgeschlossen 
 +ist. Das Landgericht Düsseldorf 
 +sieht das so. In seinem Urteil 
 +vom 7. Februar 2007 – S108/06 
 +(WOHNUNGSWIRTSCHAFT UND 
 +MIETRECHT 2007, S. 132) hat es 
 +entschieden,​ dass die rechtzeitige 
 +Absendung nicht ausreichend ist, 
 +um eine Verspätung nicht vertreten 
 +zu müssen. Es komme allein auf den 
 +Zugang der Abrechnung beim Mieter 
 +an, nicht aber auf deren Absendung. 
 +Anders sieht es das Landgericht 
 +Berlin (Urteil vom 18. Mai 2006 
 +– 62S 59/06 – Das Grundeigentum 
 +2006, S. 1407). Danach hat der 
 +Vermieter die Überschreitung der 
 +zwölfmonatigen Abrechnungsfrist 
 +dann nicht zu vertreten, wenn er die 
 +Abrechnung rechtzeitig abgesandt 
 +hat und bei normalem Postgang mit 
 +dem rechtzeitigen Zugang rechnen 
 +durfte. Ausnahmsweise hat er den 
 +verspäteten Zugang dann nicht zu 
 +vertreten, wenn auf dem Postwege 
 +unerwartete und nicht vorhersehbare 
 +Verzögerungen oder Postverluste 
 +eintreten, auf die er keinen 
 +Einfluss nehmen kann. Angesichts 
 +dieser uneinheitlichen rechtlichen 
 +Beurteilung empfiehlt es sich, neben 
 +dem rechtzeitigen Versand der 
 +Betriebskostenabrechnung auch 
 +für eine realistische Bemessung 
 +der Vorauszahlungen zu sorgen. 
 +Wo keine Nachforderungen geltend 
 +gemacht werden müssen, wird sich 
 +kein Mieter auf den tatsächlich oder 
 +vorgegebenen verspäteten Zugang 
 +der Betriebskostenabrechnung berufen... 
 +Verspätete Betriebskostenabrechnung 
 +nung darstellt. Diese Grafik wurde 
 +in allen beteiligten Hausaufgängen 
 +ausgehängt. 
 +Hauswart kümmert sich um 
 +Belange des Müllprojektes vor 
 +Ort 
 +Zusätzlich wurde ein Hauswart eingesetzt,​ 
 +der sich neben den klassischen 
 +Tätigkeitsfeldern speziell 
 +um alle Belange des Müllprojektes 
 +vor Ort kümmerte. Während der 
 +Einführungsphase wurden die Mieter 
 +regelmäßig durch Mitteilungsschreiben 
 +über den Verlauf des Projektes 
 +und eventuell aufgetretene 
 +Probleme informiert – zu Beginn 
 +waren das hauptsächlich die vielen 
 +Fehlwürfe beim „grünen Punkt“ und 
 +daraus folgend die Entsorgung dieser 
 +nicht abgeholten Säcke über den 
 +Restmüllcontainer. 
 +Diese Kinderkrankheiten gehören 
 +inzwischen aber der Vergangenheit 
 +an, und rückblickend wertet die 
 +NEUWOBA die Einführung der verbrauchsabhängigen 
 +Müllabrechnung 
 +als vollen Erfolg. 
 +René Gansewig, Vorstandsmitglied 
 +der NEUWOBA: 
 +„In der Oststadt und dort in einem 
 +Quartier, in dem alle beteiligten 
 +817 Wohnungen unserer Genossenschaft 
 +gehören, haben wir im 
 +Juli 2005 an insgesamt 11 Plätzen 
 +unsere herkömmlichen Container 
 +auf die Müllwaage von imvisio umgerüstet. 
 +Diese Umstellung, die im 
 +übrigen sogar vom Fernsehen als 
 +beispielhaftes Modellprojekt vorgestellt 
 +und insofern zur Nachnutzung 
 +auch für andere Wohnungsunternehmen 
 +empfohlen wurde, hat sich 
 +sowohl für unsere Mieter als auch 
 +für die Genossenschaft selbst absolut 
 +gerechnet. So sank das durchschnittliche 
 +Restmüllaufkommen 
 +eines Drei-Personen-Haushaltes von 
 +105 Litern pro Wohnung bzw. 35 Litern 
 +pro Person auf ziemlich exakt 
 +30 Liter pro Wohnung oder 10 Liter 
 +pro Person. Insgesamt konnten 
 +wir damit unsere Müllkosten am 
 +Standort von 120.500 Euro im Jahr 
 +2004 auf 72.500 Euro im Jahr 2006 
 +senken, wobei hier sowohl eine 15- 
 +prozentige Preiserhöhung durch unseren 
 +Entsorger zum 01.01.2006 als 
 +auch die effektiven Kosten der Umrüstung 
 +schon mit berücksichtigt 
 +sind. Wenn man diese vernachlässigen 
 +würde, dann lägen unsere Müllkosten 
 +nur noch bei etwa 37.500 Euro. 
 +Das bedeutet für unsere Mieter, 
 +dass deren Gebühren von ehemals 
 +durchschnittlich 147 Euro pro Wohnung 
 +auf 89 Euro gesunken sind, 
 +wobei wir die Müllkosten ähnlich der 
 +Heizkostenabrechnung mit einem 
 +30-prozentigen Grundkostenanteil 
 +entsprechend der Wohnungsgröße 
 +und einem 70-prozentigen Anteil 
 +nach der tatsächlich angefallenen 
 +Mülleinwurfmenge in kg ermitteln.“ 
 +Die NEUWOBA wurde 1954 gegründet 
 +und bewirtschaftet und verwaltet 
 +9.300 eigene sowie 4.000 fremde 
 +Wohnungen.inhalt
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