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jahrgang_2008_ausgabe_03_artikel_04

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

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jahrgang_2008_ausgabe_03_artikel_04 [2017/02/27 22:09] (aktuell)
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 +===Betriebskostenabrechnung – eine Wissenschaft für sich?=== 
 +====Betriebskostenabrechnung – eine Wissenschaft für sich?==== 
 +Die Anforderungen an Inhalt, Aufbau, 
 +Struktur und Erläuterung von 
 +Betriebskostenabrechnungen sind 
 +im Laufe der Zeit insbesondere 
 +durch die Mietrechtsprechung immer 
 +wieder erhöht worden. 
 +Betrachtet man z. B. eine „ganz normale“ 
 +Betriebskostenabrechung,​ die 
 +für kalte und warme Betriebskosten 
 +insgesamt erstellt wird, so hat dabei 
 +nicht nur der Vermieter erhebliche 
 +Anforderungen zu erfüllen. Auch die 
 +Mieter müssen sich in Mathematik 
 +und Juristerei auskennen: So enthalten 
 +diese Abrechnungen im Regelfall 
 +mehrere hundert Daten, z. T. 
 +Einzelwerte mit bis zu acht Nachkommastellen. 
 +Werden die warmen 
 +Betriebskosten für eine verbundene 
 +Heizungsanlage abgerechnet,​ so 
 +müssen die Mieter zusätzlich über 
 +mathematisch-physikalische Kenntnisse 
 +verfügen, um die Aufteilung 
 +der insgesamt für diesen Bereich 
 +angefallenen Kosten entsprechend 
 +§ 9 HeizkostenV nachvollziehen zu 
 +können. Hat dann noch ein Mieterwechsel 
 +stattgefunden,​ bei dem für 
 +die aus- und einziehenden Mieter 
 +Abrechnungen für die Teilperioden 
 +erstellt werden, dann dupliziert sich 
 +nicht nur nahezu das darzustellende 
 +und zu erläuternde Datenmaterial 
 +– nein, es bedarf zusätzlicher Informationen 
 +bzw. Kenntnisse über z. T. 
 +weitere komplexe Aufteilungs- und 
 +Wohnungs-bezogene Zuordnungskriterien,​ 
 +wie 
 +z. B. Kostenanteile 
 +nach Verbrauch,​ 
 +aber 
 +auch nach Flächenanteilen,​ 
 +gewichtet mit 
 +zeitabhängigen 
 +Werten von 
 +G r a d t a g s t a - 
 +bellen. Wann 
 +haben die Menschen 
 +außerhalb ihres Mietvertrages 
 +schon mit einer Gradtagszahlentabelle 
 +zu tun? 
 +Nun hat der BGH bereits am 14. 
 +Februar 2007 entschieden,​ dass in 
 +allen Fällen, in denen Teile von Einzelbetriebskostenarten 
 +nicht als Betriebskosten 
 +gegenüber den Mietern 
 +abgerechnet werden (sogenannte 
 +„Vorwegabzüge“),​ die Gesamtkosten 
 +je Betriebskostenart und die effektiv 
 +abgerechneten Kosten auszuweisen 
 +sind (Az.: VIII ZR 1/06). Das 
 +führt u. a. dazu, dass sich das z. T. 
 +schon heute schwer für den Mieter 
 +überschaubare Zahlenkonvolut in 
 +den Einzelabrechnungen noch weiter 
 +aufbläht und zukünftig Zahlen 
 +bzw. Daten in den Abrechnungen 
 +ausgewiesen werden (müssen), die 
 +wirtschaftlich gar nicht Inhalt dieser 
 +Abrechnungen sind. Erhöht sich dadurch 
 +die Transparenz?​ Wohl kaum 
 +– das Gegenteil ist eher die Folge! 
 +Die meisten Mieter werden kaum 
 +Aus der Praxis für die Praxis 
 +Carl Peter Blöcker 
 +Betriebskostenabrechnung – 
 +eine Wissenschaft für sich? 
 +in der Lage sein, den „abgesetzten“ 
 +Anteil nach Art und Höhe richtig einzuwerten,​ 
 +zumal ihnen im Regelfall 
 +die Bemessungsgrundlagen für ein 
 +Kostensplitting (z. B. Kostenanteile 
 +für Nutzungsarten außerhalb der 
 +Wohnungen, Zuordnung anteiliger 
 +Instandhaltungskosten bei technischen 
 +Wartungsverträgen usw.) 
 +nicht bekannt bzw. nachvollziehbar 
 +sind. Zusätzliches Streitpotenzial 
 +ist so vorprogrammiert! Im Übrigen 
 +hat auch dieses BGH-Urteil in den 
 +Wohnungsunternehmen einen erheblichen 
 +Organisationsaufwand mit 
 +entsprechenden Kosten zur Folge 
 +und bedeutet für die tägliche Arbeit 
 +– jedes Jahr wiederkehrend – einen 
 +nicht zu unterschätzenden zusätzlichen 
 +Buchungsaufwand. 
 +Das Gleiche gilt für die Steuerabzugsmöglichkeit 
 +für haushaltsnahe 
 +Dienst- und Handwerkerleistungen. 
 +Durch „BMF-Dekret“ sind Vermieter 
 +gezwungen, innerhalb der Betriebskostenabrechnung 
 +für alle in Frage 
 +kommenden Betriebskostenarten 
 +die anteiligen Personalkosten entsprechend 
 +§ 35a EStG auszuweisen. 
 +Auch hier gilt: Wieder umfangreicher 
 +Organisations- und – auf Dauer – Buchungsaufwand 
 +zu Lasten der Vermieter;​ 
 +das Zahlen- und Datenkonvolut,​ 
 +das vom Mieter verstanden 
 +werden muss, erhöht sich weiter. 
 +Alle Welt redet von Verwaltungsvereinfachung 
 +und Entbürokratisierung. 
 +Für die Abrechnung der wohnungswirtschaftlichen 
 +Betriebskosten ist 
 +das in weite Ferne gerückt! 
 +Carl Peter Blöcker, Hamburginhalt
jahrgang_2008_ausgabe_03_artikel_04.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/27 22:09 (Externe Bearbeitung)