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jahrgang_2009_ausgabe_02_artikel_06

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

jahrgang_2009_ausgabe_02_artikel_06 [2017/02/27 22:09] (aktuell)
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 +===Keine Gewinnmaximierung durch „ automatisch wirkende“ Preisgleitklauseln=== 
 +====Keine Gewinnmaximierung durch „ automatisch wirkende“ Preisgleitklauseln==== 
 +In der Vergangenheit war es regelmäßig 
 +üblich, in langfristig wirkenden 
 +Bewirtschaftungsverträgen 
 +insbesondere für den Bereich wohnungswirtschaftlicher 
 +Betriebskosten 
 +Preisgleitklauseln aufzunehmen. 
 +Konsequenz hieraus war, dass die an 
 +die Dienstleister zu entrichtenden 
 +Preise sich regelmäßig erhöhten – 
 +und dieses häufig auf Basis zum Teil 
 +anonymer gesamtwirtschaftlicher 
 +Daten, wie z. B. öffentlich zugängige 
 +Daten des Statistischen Bundesamtes. 
 +Der Frage, inwieweit es 
 +Aufgabe der wohnungswirtschaftlichen 
 +Unternehmen ist, auf diese 
 +Weise wirtschaftliche Risiken ihrer 
 +Vertragspartner zu übernehmen,​ 
 +soll hier nicht nachgegangen werden. 
 +Wenn es jedoch aufgrund der 
 +Angebots- und Marktsituation „vor 
 +Ort“ erforderlich ist, derartige Preisgleitklauseln 
 +zu akzeptieren,​ sollten 
 +dabei einige Grundregeln beachtet 
 +werden. Diese sollen beispielhaft an 
 +einem Fernwärmevertrag deutlich 
 +gemacht werden: 
 +● Bei Abschluss derartiger Verträge 
 +ist es zwingend erforderlich,​ dass 
 +die Ausgangskonditionen – sprich 
 +die im Regelfall mit dem Index „0“ 
 +bezeichneten Ausgangspreise – 
 +den zu diesem Zeitpunkt üblichen 
 +Marktpreisen entsprechen. 
 +● Im Regelfall werden bei Vertragsabschluss 
 +Teilpreise, wie Arbeits-, 
 +Grund- oder Leistungspreise und 
 +Messpreise vereinbart. Dabei ist 
 +auf jeden Fall darauf zu achten, 
 +dass diese in einem sachgerechten 
 +prozentualen Verhältnis zueinander 
 +stehen. Wesentlich dabei ist, 
 +dass der verbrauchsabhängige Teil 
 +– in der Regel 
 +der Arbeitsp 
 +r e i s a n t e i l 
 +– stark überwiegen 
 +sollte. 
 +Unabhängig 
 +hiervon sollte 
 +sichergestellt 
 +werden, dass 
 +auch der 
 +Grund- bzw. 
 +Leistungspreis nach Vorgabe des 
 +Wohnungsunternehmens leistungsabhängig 
 +vereinbart wird – 
 +z. B. nach vorzuhaltender maximaler 
 +Heizwasserdurchflussmenge 
 +oder erforderlichem Anschlusswert 
 +in kWh/MWh. Damit ist 
 +sichergestellt,​ dass sich z. B. bei 
 +energetischen Modernisierungsmaßnahmen 
 +des Wohnungsunternehmens 
 +diese (Teil-)Kosten 
 +entsprechend reduzieren. Eine 
 +„starre“ Bemessungsbasis für diesen 
 +Teilpreis – z. B. nach versorgter 
 +m2-Nutzfläche – ist auf jeden 
 +Fall auszuschließen! 
 +● Bei der Wärmeversorgung werden 
 +die Ausgangspreise in der Preisgleitklausel 
 +mit prozentualen Anteilen 
 +unterschiedlicher Quotienten 
 +aus der Entwicklung von Energieund/​ 
 +oder Lohn- und/oder Materialindices 
 +gewichtet und führen 
 +im Zeitablauf zu höheren Kosten. 
 +Es sollte darauf geachtet werden, 
 +dass die Index-Quotienten,​ für die 
 +nachhaltig hohe Steigerungsraten 
 +zu erwarten sind, nicht mit einem 
 +übermäßig hohen Anteil in die 
 +Preisgleitklauseln aufgenommen 
 +werden. 
 +● Die Ausgangspreise bei Vertragsabschluss 
 +enthalten naturgemäß 
 +Gewinnanteile des Dienstleisters. 
 +Um diesen Gewinnanteil für die 
 +Dauer des Vertrages nicht (ständig) 
 +zu dynamisieren,​ sollte ein 
 +Teil des zur Preisfortschreibung 
 +vereinbarten Rechenparameters 
 +nicht mit einem Index-Quotienten 
 +gewichtet werden, um für diesen 
 +Teil eine weitere Kostensteigerung 
 +auszuschließen. 
 +● Sinnvoll ist es auf jeden Fall, sogenannte 
 +„Schwellwerte“ vertraglich 
 +zu vereinbaren,​ die eine Anwendung 
 +der Preisgleitklausel erst 
 +bei Erreichen bzw. Überschreiten 
 +eines bestimmten Wertes zulassen. 
 +Eine derartige vertragliche 
 +Vereinbarung könnte lauten: „Eine 
 +Anpassung des Arbeitspreise 
 +erfolgt erst dann, wenn sich aus 
 +der Preisgleitklausel eine Veränderung 
 +des Arbeitspreises von mindestens 
 +3% ergibt“. 
 +● Im Übrigen sollten Veränderungen 
 +der Einzelpreise auf der Basis von 
 +Preisgleitklauseln nur einmal für 
 +eine Abrechnungsperiode und 
 +dann jeweils zu Beginn der der 
 +Ermittlung neuer Teilpreise folgenden 
 +Abrechnungsperiode vertraglich 
 +vereinbart werden. 
 +Gerade bei Verträgen, die im Bereich 
 +der wohnungswirtschaftlichen 
 +Betriebskosten 
 +für längere Zeiträume 
 +abgeschlossen werden, sollte 
 +ein besonderes Augenmerk darauf 
 +gelegt werden, zusätzliche Kosten 
 +bzw. Kostenanstiege zu vermeiden 
 +– also keine Gewinnmaximierung der 
 +Dienstleister/​Lieferanten zu Lasten 
 +unserer Kunden! 
 +Carl Peter Blöcker, Hamburginhalt
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