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jahrgang_2010_ausgabe_03_artikel_02

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

jahrgang_2010_ausgabe_03_artikel_02 [2017/02/27 22:08] (aktuell)
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 +===Peter Kay · Aufgespießt=== 
 +====Energiebedarf versus Energieverbrauch – vom Unterschied zwischen Theorie und Praxis==== 
 +Mit der Einführung des bis heute in 
 +weiten Teilen der Bevölkerung unbekannten 
 +Energieausweises sollte dem 
 +energetischen Zustand der Gebäude 
 +stärkere Bedeutung verliehen, ihre 
 +energetische Sanierung beschleunigt 
 +und den Interessierten Informationen 
 +über die zu erwartenden Energieverbräuche 
 +und damit auch -kosten 
 +an die Hand gegeben werden. 
 +Soweit die Theorie. Die Praxis zeigt 
 +jedoch, dass Energieausweis nicht 
 +gleich Energieausweis ist und Energiebedarf 
 +nicht Energieverbrauch. 
 +Die spannende Frage: Entsprechen 
 +die errechneten Energieverbräuche 
 +wirklich den tatsächlichen?​ 
 +Beim Vergleich eines denkmalgeschützten 
 +30er-Jahre-Gebäudes 
 +mit sanierter Fassade und rückwärtiger 
 +Fassadendämmung mit 
 +einem Niedrigenergiehaus aus dem 
 +Jahr 2005 wurde festgestellt,​ dass 
 +beide Gebäude annähernd gleich 
 +viel Energie verbrauchten. Eigentlich 
 +hätte das so nicht sein dürfen. Der 
 +Altbau verbraucht viel weniger Energie 
 +als er nach 
 +den Berechnungen 
 +sollte, 
 +beim Neubau 
 +mit dem hohen 
 +energetischen 
 +Standard ist es 
 +genau umgekehrt. 
 +Dass dies 
 +kein Einzelfall 
 +ist, belegt eine 
 +von Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften 
 +beauftragte Studie 
 +der iwb Entwicklungsgesellschaft 
 +mbH, Braunschweig,​ die Vergleichsuntersuchungen 
 +von Bedarfs- und 
 +Verbrauchsausweisen für rund 
 +60.000 Wohnungen angestellt hat. 
 +Die Ergebnisse sind spannend, 
 +aber nicht überraschend:​ Die alten 
 +Gebäude sind energiesparender als 
 +gedacht und brauchen zwischen 30 
 +und 60 kWh/m2 weniger als berechnet,​ 
 +bei den neueren oder modernisierten 
 +Gebäuden liegt der errechnete 
 +Bedarf um 20 bis 30 kWh/m2 
 +unter dem tatsächlichen Verbrauch! 
 +Vor diesem Hintergrund erscheint es 
 +besonders fragwürdig,​ energetische 
 +Zielvorgaben gesetzlich zu definieren,​ 
 +die letztendlich nur auf dem Papier 
 +erreicht werden. Dafür sind die damit 
 +verbundenen Investitionen vor allem 
 +im Bestand viel zu hoch. Nur etwa 
 +5 Prozent der deutschen CO2-Emissionen 
 +entfallen auf den vermieteten 
 +Geschosswohnungsbau. Wäre es im 
 +Sinne globaler Klimaschutzziele nicht 
 +an der Zeit, den bei der Herstellung 
 +und Montage des Dämmmaterials 
 +verursachten Energieverbrauch und 
 +CO2-Ausstoß zu bilanzieren,​ bevor 
 +wir energetisch motivierte und teure 
 +Modernisierungshektik mit einem 
 +bescheidenen Ergebnis für unsere 
 +Energie- und CO2-Bilanz entfalten?​ 
 +Was nützt es darüber hinaus, rechnerisch 
 +die Umwelt zu schonen, wenn 
 +die Heizkostenersparnis schon durch 
 +die erforderlichen Mieterhöhungen 
 +aufgezehrt wird und die Wohnkostenbelastung 
 +der Mieter insgesamt 
 +steigt? Viele Haushalte mit mittleren 
 +und geringen Einkommen haben 
 +dafür wenig Verständnis.inhalt
jahrgang_2010_ausgabe_03_artikel_02.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/27 22:08 (Externe Bearbeitung)