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jahrgang_2014_ausgabe_02_artikel_04

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

jahrgang_2014_ausgabe_02_artikel_04 [2017/02/27 22:09] (aktuell)
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 +===PETER KAY – AUFGESPIESST=== 
 +====„Heizkostenabrechnung nicht unnötig belasten“==== 
 +Informationen schaden nur demjenigen, der sie nicht hat. Auf der anderen Seite belegen Untersuchungen,​ dass der Mensch nicht mehr als sechs bis sieben Informationen gleichzeitig wahrnehmen und bewerten kann. Mit anderen Worten: Zu viele Informationen können auch schaden bzw. den gegenteiligen Effekt des Gewünschten erzielen. 
 +Was das Ganze mit der Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU (EED) der Europäischen Union zu tun hat? Artikel 10 der EED definiert Anforderungen an die unterjährige Abrechnungsinformation der Endkunden (Mieter) im Rahmen der Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung. Diese Informationen sollen den Mietern ihren witterungsbereinigten Energieverbrauch zeitnah aufzeigen und über die tatsächlich im Betrachtungszeitraum entstehenden Energiekosten informieren. Kurze Abstände sollen die Aussagekraft dieser Informationen erhöhen und die Mieter in die Lage versetzen, ihr Verhalten kurzfristig zu ändern, um Energie zu sparen und Kosten zu senken. Die Abrechnungsinformationen sollen mindestens halbjährlich,​ auf Verlangen auch vierteljährlich erfolgen. Man kann sich unschwer vorstellen, dass als nächste Stufe die monatliche Information und dann womöglich auch eine unterjährige Heizkostenabrechnung gefordert werden. 
 +Bis zum 5. Juni 2014 sollte die EED in nationales Recht umgesetzt werden, vermutlich geschieht das aber erst 2015. Technisch sind unterjährige Verbrauchsinformationen und –analysen sicherlich kein Problem. Die Kosten für die dafür erforderlichen fernauslesbaren Erfassungsgeräte und die Einrichtung eines Internetportals dürften gemessen am möglichen Einspareffekt schnell jedoch die Grenze der Unwirtschaftlichkeit übersteigen. Ob es dadurch überhaupt zu nennenswerten Einspareffekten kommt, darf auch bezweifelt werden. 
 +Steigen wird in jedem Fall bei den Vermietern der Aufwand für die Bearbeitung der mit jeder Information verbundenen Nachfrage der Mieter. Die Informationsflut überfordert und stumpft ab. Bei den Mietern steigt der Frust über erhöhte Kosten, die durch den prognostizierten oder erhofften Einspareffekt nicht ausgeglichen werden. Die verbrauchsabhängige Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung ist ein seit über 30 Jahren in Deutschland allgemein akzeptiertes Verfahren. Dieses mit noch mehr Anforderungen zu belasten, wäre weder verbraucherfreundlich noch energiepolitisch sinnvoll. Den größten Effekt erzielt man ohnehin durch zeitnah erstellte Heizkostenabrechnungen,​ die – mit entsprechenden Hinweisen versehen – die Mieter zu einer Reflektion und möglicherweis zu einer Veränderung ihrer Heizgewohnheiten veranlasst. 
 +Oft unterschätzt … 
 +Stromkosten höher als Heizkosten 
 +Insbesondere durch den eingeschränkten Blick auf die Kosten für den Allgemeinstrom (Treppenhausbeleuchtung,​ Aufzugsstrom u.a.) wird die Belastung der Haushalte in Deutschland mit Stromkosten oft unterschätzt. So hat der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) die durchschnittlichen Strom- und Heizkosten von 1- bis 3-Personen-Haushalten verglichen und festgestellt,​ dass 2- und 3-Personen-Haushalte heute bereits mehr für ihren Stromverbrauch zahlen als für Heizung und Warmwasser. In energetisch guten Gebäuden mit Energieverbräuchen unter 112 kWh/m2 jährlich liegen auch bei 1-Personen-Haushalten die Heiz- und Warmwasserkosten unter den durchschnittlichen Stromkosten. Auch nach der EEG-Reform wird sich hieran nichts ändern. Nachstehende Übersicht verdeutlicht dieses. 
 +VERGLEICH DER JÄHRLICHEN STROM- UND HEIZKOSTEN 
 +1-Personen-Haushalt 
 +2-Personen-Haushalt 
 +3-Personen-Haushalt 
 +Stromverbrauch:​ 
 +1.500 kWh/a1 
 +Stromverbrauch:​ 
 +2.500 kWh/a1 
 +Stromverbrauch:​ 
 +3.500 kWh/a1 
 +Endenergieverbrauch Hzg/Ww: 
 +150 kWh/m2/a2 
 +Endenergieverbrauch Hzg/Ww: 
 +150 kWh/m2/a2 
 +Endenergieverbrauch Hzg/Ww: 
 +150 kWh/m2/a2 
 +Wohnungsgröße:​ 
 +50 m2 
 +Wohnungsgröße:​ 
 +60 m2 
 +Wohnungsgröße:​ 
 +70 m2 
 +STROMKOSTEN p.a. Ø 30 ct./kWh3 
 +450 €/p.a. 
 +750 €/p.a. 
 +1.050 €/p.a. 
 +HEIZ- UND WARMWASSERKOSTEN (ENERGIE) 
 +Verbrauch:​ 
 +7.500 kWh/a 
 +Verbrauch:​ 
 +9.000 kWh/a 
 +Verbrauch:​ 
 +10.500 kWh/a 
 +KOSTEN (8 ct./kWh INKL. MESSDIENST, GERÄTEMIETE,​ WARTUNG UND BETRIEBSKOSTEN)4 
 +600 € 
 +720 € 
 +840 € 
 +Fazit: 2- und 3-Personen-Haushalte zahlen für ihren Stromverbrauch bereits mehr als für Heizung und Warmwasser. In energetisch guten Gebäuden mit Endenergieverbräuchen unter 112 kWh/m2/a liegen auch bei 1-Person-Haushalten die Heiz- und Warmwasserkosten unter den durchschnittlichen Stromkosten. 
 +1) Quelle: Vattenfall Europe Sales, Hamburg; 2) Ø VNW-Energiebilanz;​ 3) Easy12 Vattenfall (Grundpreis:​ 6,50 €/mtl., Arbeitspreis:​ 26,8 ct./kWh) 
 +4) Durchschnitt aller Energieträger gem. VNW-Energiebilanz 
 +
 +6inhalt
jahrgang_2014_ausgabe_02_artikel_04.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/27 22:09 (Externe Bearbeitung)